Branchen – Energie

ENERGIE

Die Energiebranche steht im Zeichen des Wandels. Das traditionelle Geschäftsmodell der meisten Energieversorgungsunternehmen (EVU) ist von den verschärften Marktbedingungen, dem veränderten Regulierungsrahmen und dem technologischen Wandel stark betroffen. Der Umbruch in der Branche macht sich bei verschiedenen finanziellen Aspekten und insbesondere durch erhöhte Transkations-Aktivitäten bemerkbar.

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Markus Varga
Partner
markus.varga@ifbc.ch

AKTUELLE THEMEN & HERAUSFORDERUNGEN

Regulation Radar

Der Bundesrat hat das totalrevidierte Energiegesetz und die damit verbundenen neuen bzw. angepassten Verordnungen per 1. Januar 2018 in Kraft gesetzt. Mit diesem ersten Schritt zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 soll der Energieverbrauch gesenkt, die Energieeffizienz erhöht sowie das Potential der erneuerbaren Energien ausgeschöpft werden. Die Finanzierung der neu eingeführten bzw. angepassten Förderinstrumente erfolgt über die Erhöhung des Netzzuschlags.

Fehlende Investitionsmöglichkeiten

Der Investitionsschwerpunkt von Schweizer EVU liegt hauptsächlich in den Bereichen erneuerbare Energien, Netze und innovative Produkte bzw. Dienstleistungen. Die konzentrierte Nachfrage in diesen Bereichen führt zusammen mit der Präsenz von Finanzinvestoren zu tendenziell hohen Preisen bei Transaktionen. Gleichzeitig fehlen ganz grundsätzlich genügend Investitionsmöglichkeiten in der Schweiz, weshalb die vorhandenen Investitionsbudgets oft gar nicht ausgeschöpft werden können.

Strommarktdesigns, quo vadis?

Durch die politische Förderung der erneuerbaren Energien wie Wind und Photovoltaik und dem Rückzug von Kohle- und Kernkraftwerken ist die Stromerzeugung vermehrt fluktuierend und wetterabhängig. Entsprechend stellen sich Fragen zur Versorgungssicherheit und aufgrund der gesunkenen Strompreise auch zu den etablierten Preisfindungsmechanismen. Eine Studie im Auftrag des BFE kommt in diesem Zusammenhang zum Schluss, dass das aktuelle Marktmodell die Versorgung in der Schweiz mittel- bis langfristig auf hohem Niveau sicherstellt.

Innovation als wichtiger Treiber der Energiebranche

Vermehrt sind innovative und digitale Produkte auf dem Strommarkt zu beobachten. IWB bietet beispielsweise seit 2018 ihren Kunden die Möglichkeit an, ihren überschüssigen Strom aus deren Photovoltaikanlagen virtuell zu speichern. ewz initiierte mit „ewz-neo“ ein interdisziplinäres Ideenlabor zur Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen mit Kunden sowie internen und externen Experten. Repower entwickelte ein innovatives digitales Tool für EVU, das die Effizienz im Bereich Asset-Management erhöht und die Administration verringert.

Die Dekarbonisierung der Wirtschaft wirkt sich auf die Stromnachfrage aus

Die angestrebte Dekarbonisierung der Wirtschaft verstärkt die Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Das Bedürfnis nach erneuerbaren Energien kann mit den Angeboten aus der Schweiz jedoch nicht gestillt werden. Der Weg ins Ausland ist entsprechend unabdingbar und wird denn auch von vielen Schweizer EVU beschritten. Aufgrund der beschränkten Anzahl attraktiver Projekte im nahen Ausland sollten dabei auch alternative Länder für mögliche Investitionen ins Auge gefasst werden.

Virtuelle Kraftwerke auf dem Vormarsch

Mit der Förderung der erneuerbaren Energien zur Erreichung der Zielsetzungen im Rahmen der Energiestrategie 2050 und dem damit verbundenen Ausbau der nicht steuerbaren Erzeugungsarten wird das Schweizer Stromnetz in Zukunft stärker durch die volatile Stromproduktion belastet. Durch den Zusammenschluss vieler kleiner, dezentraler Stromerzeugungseinheiten zu virtuellen Kraftwerken und deren intelligenten Steuerung können die Netzstabilität unterstützt sowie Zusatzerlöse zur Steigerung der Anlagerentabilität erwirtschaftet werden.

AKTUELLE TRANSAKTIONEN

BKW auch 2017 ein aktiver M&A-Playern

Mit mehr als 10 Akquisitionen baute BKW 2017 ihren Dienstleistungsbereich weiter aus. Bei den übernommen Gesellschaften handelt es sich sowohl um Schweizer Unternehmen als auch um Unternehmen aus dem nahen europäischen Raum.

Verkauf der grössten Schweizer Photovoltaikanlage

Die von Soleol SA entwickelte und gebaute Photovoltaikanlage am Neuenburgersee mit einer installierten Leistung von 8.3 Megawatt konnte erfolgreich verkauft werden. Zu den Käufer zählen aventron, UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland und Swiss Solar City.

ewz setzt auf Windenergie aus Frankreich

ewz übernimmt Anteile der Projektgesellschaften für die beiden Windparks Autremencourt und Vihiersois in Frankreich mit einer Gesamtleistung von 36 Megawatt. Damit erhöht ewz die jährliche Produktion aus Windkraft um 22%.

M&A TRENDS UND MARKTANALYSEN

EV/EBITDA Multiples von europäischen EVU

Median
75%-Quartil
25%-Quartil

  • Das Bewertungsniveau von europäischen EVU ist im Jahr 2017 nach einem leichten Anstieg im 2016 wieder auf das Niveau von 2015 zurückgegangen.
  • Nachdem in den Jahren 2014 bis 2016 deutlich unterschiedliche Bewertungen in Bezug auf einzelne EVU zu beobachten waren, sind die Unterschiede im Jahr 2017 nicht mehr so gross (25%- und 75%-Quartil liegen nahe beieinander).

EV/EBITDA Multiples von Anbietern von erneuerbaren Energien in Europa

Median
75%-Quartil
25%-Quartil

  • Der durchschnittliche EV/EBITDA-Multiple der europäischen Anbieter von erneuerbaren Energien ist seit 2014 rückläufig.
  • Das Bewertungsniveau der Anbieter von erneuerbaren Energien liegt mit rund 8.1x nach wie vor über demjenigen von herkömmlichen EVU, welche mit rund 7.1x EBITDA bewertet sind (siehe Grafik oben).

EV/EBITDA Multiples und Market to Book-Ratio von Schweizer EVU

Median EV/EBITDA
Market to Book

  • Die vier kotierten Schweizer EVU weisen Ende 2017 mit einem durchschnittlichen EV/EBITDA-Multiple von 7.1x ein ähnliches Bewertungsniveau wie die europäischen EVU auf.
  • Die durchschnittliche Market to Book-Ratio steigt seit 2014 kontinuierlich an. Die Marktwerte des Eigenkapitals liegen jedoch noch immer unter den Buchwerten (Ratio von 0.89x im Jahr 2017).

Quelle: Bloomberg.