Herausforderungen bei der Bewertung innovativer Geschäftsideen im Energiebereich

Herausforderungen bei der Bewertung innovativer Geschäftsideen im Energiebereich

Weil viele Energieversorgungsunternehmen (EVU) mit der Produktion und dem Verkauf von Energie nicht mehr erfolgreich sein können, wird eine Anpassung dieser traditionellen Geschäftsmodelle unumgänglich. Die konkrete Umsetzung der neu definierten Geschäftsmodelle, die sich stärker in Richtung innovative Dienstleistungen entwickeln, ist aus finanzieller Perspektive mit gewissen Herausforderungen verbunden.

 

Für die Bewertung innovativer Geschäftsideen bieten sich kostenbasierte Methoden an

Bei der Bewertung innovativer Geschäftsideen und Start-Up-Unternehmen kommen die gängigen Bewertungsmethoden teilweise an ihre Grenzen. Die Wahl eines geeigneten Bewertungsansatzes ist unter anderem auch von der Entwicklungsstufe eines Projekts resp. eines Unternehmens abhängig. Neue Geschäftsideen befinden sich grundsätzlich in einer frühen Entwicklungsphase, bei der weder die sonst übliche DCF-Bewertung noch die Bewertung mittels Multiples zu aussagekräftigen Resultaten führen. Auch für die finanzielle Unternehmensführung und die regelmässige Projektbeurteilung liefern die traditionellen Bewertungsmethoden keine verlässlichen Resultate. Es drängt sich vielmehr die Bewertung anhand kostenbasierter Methoden auf. Dabei stehen die Beurteilung der geplanten oder bereits geleisteten Kosten für die Projektentwicklung (z.B. Forschungs- und Entwicklungsaufwand) sowie der Stand des Projektfortschritts im Zentrum der Überlegungen.

 

Verfahren zur Beurteilung neuer Geschäftsideen

Verfahren zur Beurteilung neuer Geschäftsideen

Vorzugsweise wird auf Stufe Gesamtunternehmen definiert, wieviel Risikokapital für Investitionen in innovative Geschäftsideen respektive Projekte oder in Start-Up-Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Zu Beginn eines spezifischen Projekts wird dann die Allokation des entsprechenden Risikokapitals vorgenommen unter Berücksichtigung des jeweiligen Risiko-Rendite-Profils und des insgesamt zur Verfügung stehenden Risikokapitals. Für die Projektbeurteilung sind spezifische Meilensteine zu definieren, deren Erreichung regelmässig zu überprüfen ist.

 

Projektabbruch darf kein Tabu mehr sein

Bei Nicht-Erreichen der Meilensteine ist jeweils die erfolgreiche Projektrealisation im vorgegebenen finanziellen und zeitlichen Rahmen kritisch zu hinterfragen (GAP-Analyse). Kann das Projektziel nicht mehr im definierten Rahmen erreicht werden, sind entweder neue Meilensteine zu definieren und es ist allenfalls neues Risikokapital zu allozieren oder das Projekt ist vorzeitig zu beenden. Ein frühzeitiger Projektabbruch darf insbesondere bei neuen Geschäftsideen mit hohem Innovationsgrad kein Tabu mehr sein und sollte nicht als Misserfolg gewertet werden. Die Akzeptanz eines Projektabbruchs ist Bestandteil einer Innovationskultur, die für die Neuausrichtung der Geschäftsmodelle von EVU’s von zentraler Bedeutung ist.

 

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Markus Varga

Partner

markus.varga@ifbc.ch