Handlungsempfehlungen für den erfolgreichen Umgang mit Financial Covenants im aktuellen Umfeld

Handlungsempfehlungen für den erfolgreichen Umgang mit Financial Covenants im aktuellen Umfeld

Das aktuelle Umfeld birgt wesentliche finanzierungsseitige Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund widmen wir uns nachfolgend dem Umgang mit Financial Covenants in Kreditverträgen und geben in diesem Zusammenhang Handlungsempfehlungen ab.

 

Was sind Financial Covenants?

In der Regel enthalten Kreditverträge sogenannte Financial Covenants, die den Schuldner zur Einhaltung bestimmter finanzieller Vorgaben bzw. zur Erreichung definierter Schwellenwerte für einzelne Finanzkennzahlen verpflichten. Bei (allenfalls mehrmaliger) Nichteinhaltung dieser im Kreditvertrag definierten Schwellenwerte und damit einer Verletzung der Financial Covenants entsteht ein Verzugsfall. Dadurch erhält der Gläubiger das Recht, die Finanzierung fällig zu stellen. Ausgewählte in der Schweiz häufig als Financial Covenants verwendete Finanzkennzahlen sind in der nachfolgenden Abbildung zusammengefasst.

 

Ausgewählte in der Schweiz häufig als Financial Covenants verwendete Finanzkennzahlen

Financial-Covenants

Erhöhtes Risiko einer Financial-Covenant-Verletzung im aktuellen Umfeld

Die gegenwärtige Krise hat weitrechende Auswirkungen hinsichtlich der Einhaltung der Financial Covenants. Die zumindest vorübergehend reduzierte finanzielle Performance vieler Unternehmen wirkt sich, wie nachfolgend dargestellt, negativ auf deren Finanzkennzahlen aus:

  • Es resultiert ein erhöhter Kapitalbedarf, der u. a. durch eine zusätzliche Kredit- oder Kapitalmarktfinanzierung zu decken ist, und damit einhergehend erhöht sich die Verschuldungsquote.
  • Die reduzierte Ertrags- und Cashflow-Generierung wirkt sich negativ auf den EBITDA und den EBIT aus, was sich in einer reduzierten Verschuldungskapazität reflektieren kann.
  • Weitere Begleiterscheinungen des tieferen Ertragsniveaus sind mögliche Wertberichtigungen des Goodwill, was eine Reduktion des Eigenkapitals und damit der Eigenkapitalquote zur Folge hat.

Kumuliert führt dies für viele Schuldner unweigerlich zu einem erhöhten Risiko einer Financial-Covenant-Verletzung. Dies widerspiegelt den Grundgedanken der Definition von Financial Covenants, welche dazu dienen, negative firmenspezifische Entwicklungen zu erfassen und dem Kreditgeber eine frühzeitige Einflussnahme zu ermöglichen.

 

Auswirkungen einer Financial-Covenant-Verletzung

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aus Sicht des Schuldners, dass eine Financial-Covenant-Verletzung nicht zwingend zu einer Beendigung des Kreditengagements führt. Der Verzicht auf das Kündigungsrecht seitens des Kreditgebers wird als „Waiver“ bezeichnet. Ein solcher kann grundsätzlich ohne weitere Massnahmen erteilt werden und hat für den Kreditnehmer grundsätzlich eine Gebühr zur Folge (sogenannte Waiver Fee). In der Regel führt eine Verletzung der Financial Covenants jedoch zumindest dazu, dass Kreditgeber Einfluss auf das Unternehmen bzw. die Ausgestaltung der Finanzierung (z.B. durch Auflagen, Bestellung von Sicherheiten, Ausschüttungsverbot, Verbot zur Rückzahlung anderer Verbindlichkeiten) nehmen und die Konditionen des Kredites nachverhandeln.

 

Handlungsempfehlungen für Schuldner im Kontext einer allfälligen Financial-Covenant-Verletzung

Schuldner, die mit einem materiellen Risiko einer Financial-Covenants-Verletzung rechnen, sollten möglichst früh auf die Kreditgeber zugehen. Informationsseitige Voraussetzung hierzu ist eine aktuelle rollierende Planung mit Bezug zu den Financial Covenants auf Stufe der einzelnen Finanzkennzahlen und auf Basis von Szenarien. Mit einer stringenten Strategie und Kommunikation kann in diesem Fall die Unabhängigkeit von den Schuldnern bestmöglich gewahrt werden. Zudem vermitteln Transparenz und Weitsicht Sicherheit für die Kreditgeber, und der Schuldner sichert sich damit eine erweiterte Reaktionszeit und damit Handlungsfreiheit für die Umsetzung allfälliger ergänzender Massnahmen.

 

Nachfolgend haben wir auf der Basis unserer Erfahrungen Handlungsempfehlungen formuliert, welche bei (drohenden) Financial-Covenant-Verletzungen helfen sollen, die Finanzierung auch in Krisenzeiten zu sichern.

  • Schaffen von Visibilität:
    Rollierendes Planungswesen, das eine mögliche Verletzung der Financial Covenants in verschiedenen Szenarien identifiziert und dokumentiert.

 

  • Identifikation und Umsetzung von Massnahmen:
    Identifikation von Handlungsalternativen und frühzeitige Umsetzung von Massnahmen zur Vermeidung einer Financial-Covenant-Verletzung bzw. zur Schaffung von zusätzlichem finanziellem Puffer (sogenannter «Headroom»).

 

  • Vorbereitung Kommunikation:
    Auf der Basis ausführlicher Überlegungen ist ein konkreter Lösungsvorschlag gegenüber den Kreditgebern zu definieren.

 

  • Frühzeitige Kontaktnahme mit relevanten Kreditgebern:
    Auf Basis einer professionell gestalteten Kommunikation ist der Kontakt zu den Kreditgebern möglichst rasch sicherzustellen, um diese transparent und offen zu informieren, Sicherheit zu vermitteln und frühzeitig Finanzierungssicherheit für den Schuldner zu schaffen.

Eine Übersicht zu unseren kürzlich abgeschlossenen Corporate-Finance-Mandaten finden Sie hier.

IFBC Team

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