Handlungsempfehlungen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Finanzierung und zur Steuerung der Bonität im aktuellen Umfeld

Handlungsempfehlungen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Finanzierung und zur Steuerung der Bonität im aktuellen Umfeld

Das aktuelle Umfeld birgt wesentliche finanzierungsseitige Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund widmen wir uns nachfolgend der Sicherstellung einer nachhaltigen Finanzierung und der Steuerung der Bonität und geben in diesem Zusammenhang Handlungsempfehlungen ab.

 

Die Belastbarkeitsprüfung wird mittelfristig folgen

Nach der kurzfristigen Liquiditätssicherung stehen die Unternehmen nun vor der Aufgabe, ihre Finanzierung und damit die Liquidität auch mittel- bis längerfristig, d. h. nachhaltig sicherzustellen. Das von hohen Unsicherheiten geprägte, rezessive und damit für die finanzielle Führung herausfordernde Umfeld erschwert diese Aufgabe zusätzlich.

 

Rückgang der Verschuldungskapazität und gleichzeitige Erhöhung der Auslastung

Unternehmensseitig erschweren negative Geschäftsaussichten und damit verbunden eine unsichere künftige Cash-Flow-Generierung die Kreditfinanzierung wesentlich. Dies beeinflusst die Verschuldungskapazität (sogenannte Debt Capacity) eines Unternehmens negativ. Zudem, dürfte die gegenwärtige Krise bei vielen Unternehmen zu einen erhöhten Mittelbedarf und damit zu steigenden Finanzverbindlichkeiten führen. Damit wird die Verschuldungskapazität reduziert und gleichzeitig die Auslastung dieser reduzierten Verschuldungskapazität durch zusätzliche Finanzschulden abermals erhöht. Dies ist von Bedeutung, da die Auslastung der Debt Capacity bei kreditgewährenden Banken ein zentrales Kriterium darstellt, um die finanzielle Tragbarkeit eines Kredits zu beurteilen. Einer ausreichend freien Verschuldungskapazität sollte deshalb im Rahmen der Kapitalbeschaffung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die nachfolgende Abbildung fasst das Konzept der Debt-Capacity-Auslastung schematisch zusammen.

 

Schematische Darstellung zur Auslastung der Debt Capacity

Auslastung-Debt-Capacity-neu

Die kurzfristige Liquiditätssicherung ist nicht ausreichend

In Abhängigkeit der ökonomischen Entwicklung und der wirtschaftlichen Verhältnisse im „New Normal“ (Situation nach Abflauen der Krise) dürften die zuvor beschriebenen finanzierungsseitigen Herausforderungen bestehen bleiben oder sich sogar noch weiter akzentuieren. Die Neuverschuldung und die Refinanzierung bestehender Schulden können unter diesen Rahmenbedingungen für viele Unternehmen zu einer Herausforderung werden. Dies betrifft auch Unternehmen, welche die Liquidität heute kurzfristig gesichert haben. Es empfiehlt sich daher, die Finanzierbarkeit des Unternehmens anhand der Debt-Capacity-Auslastung zu überwachen und aktiv zu steuern.

 

Bedeutung für die Bonität des Unternehmens

Eine nachhaltige Verschlechterung des Verhältnisses von Finanzschulden zu künftigen freien Cashflows hat sodann oft auch einen wesentlich negativen Einfluss auf die Bonität und damit auf die Finanzierungskonditionen. Akzentuiert wird der negative Einfluss auf die Bonität, wenn nicht nur das „Financial Profile“, sondern auch das „Business Profile“ eines Unternehmens in der Krise in Mitleidenschaft gezogen wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Geschäftsmodell im „New Normal“ weniger erfolgsversprechend sein könnte als in der Vergangenheit oder sogar ein „Broken Business Model“ droht. Solche Effekte treffen Unternehmen nun zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt, da die Renditeforderung der Fremdkapitalgeber in unsicheren Zeiten generell bereits höher ist. Dies wiederum macht deutlich, wie wichtig eine diversifizierte Fremdkapitalstruktur ist, um finanzierungsseitigen Klumpenrisiken entgegenzuwirken.

 

Sinkende Kreditratings

Ein Blick auf die aktuellen Ratingentwicklungen in Westeuropa zeigt, dass im ersten und zweiten Quartal 2020 bereits viele Kreditratings herabgestuft worden sind. Im selben Zeitraum waren dagegen Verbesserungen beim Kreditrating deutlich seltener zu beobachten. Die Anzahl negativer Outlooks für Kreditratings in Westeuropa deutet auf weitere Kreditrating-Herabstufungen hin.

Ratingentwicklung-in-Europa-neu

Um die Entwicklung des „Financial Profile“ im Sinne eines Proxys für die Bonitätsentwicklung zu antizipieren, können geeignete Finanzkennzahlen in Abhängigkeit der Branche definiert und in die Finanzplanung aufgenommen werden. Mittels einer Szenario-basierten Planung lassen sich damit in Abhängigkeit der ökonomischen Entwicklungen Einblicke in die mögliche Bonitätsentwicklung gewinnen. Dies erlaubt die Überwachung und bei Bedarf aktive Steuerung finanzierungsseitiger Risiken.

 

Handlungsempfehlungen zur Sicherstellung der Finanzierbarkeit und zur Steuerung der Bonität des Unternehmens

Im Zusammenhang mit der Sicherstellung der Finanzierbarkeit und der Steuerung der Bonität des Unternehmens geben wir nachfolgend Handlungsempfehlungen ab. Diese auf unserer langjährigen Finanzierungserfahrung beruhenden Einsichten reduzieren die Finanzierungsrisiken für das Unternehmen wesentlich.

  • Schaffen einer geeigneten Analysegrundalge:
    Etablierung eines Szenario-basierten, rollierenden Planungswesens und Definition der Zielbonität des Unternehmens

 

  • Überwachung wichtiger Finanzkennzahlen:
    Identifikation und Analyse bzw. Überwachung der relevanten Finanzkennzahlen zur Erfassung der Finanzierungsrisiken mit Bezug zur Debt-Capacity-Auslastung und des Financial Profile im Rahmen der Bonitätsbeurteilung

 

  • Analyse des Finanzierungsbedarfs:
    Analyse des Fälligkeitsprofils und des Finanzierungsbedarfs des Unternehmens

 

  • Implementieren von Massnahmen:
    In Abhängigkeit der Resultate der einschlägigen Analysen sind allfällig notwendige Massnahmen umzusetzen, um die Finanzierbarkeit bzw. die zuvor definierte Zielbonität des Unternehmens sicherzustellen. Mögliche Ansatzpunkte hierzu finden sich beispielsweise in den folgenden Bereichen:
    – Finanzierungspolitik
    – Dividendenpolitik
    – Investitionspolitik
    – Portfoliosteuerung (z. B. Desinvestitionen)
    – Anderweitige operative Massnahmen, die den Cashflow stärken oder den Cash Bedarf reduzieren (z. B. Optimierung Nettoumlaufvermögen)

Eine Übersicht zu unseren kürzlich abgeschlossenen Corporate-Finance-Mandaten finden Sie hier.

IFBC Team

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