Interview mit Mike Franz, Co-Founder und Verwaltungsrat von Netcetera

Interview mit Mike Franz, Co-Founder und Verwaltungsrat von Netcetera

Die 1996 gegründete Netcetera ist eine Schweizer IT-Unternehmensgruppe mit gegen 800 Mitarbeitenden und Hauptsitz in Zürich sowie weiteren Standorten in Europa und Asien. Dieses Jahr feiert Netcetera ihren 25. Geburtstag.

 

Am 8. September 2020 gaben Netcetera und Giesecke+Devrient (G+D) die Unterzeichnung einer strategischen Partnerschaft bekannt. G+D beteiligte sich in diesem Schritt als Ankeraktionär an Netcetera. Die Partnerschaft sowie die Beteiligung sind das Ergebnis eines strukturierten Prozesses. IFBC durfte Netcetera während der Vorbereitung und Realisierung dieser für das Unternehmen wegweisenden Transaktion durchgehend als exklusiver M&A-Advisor begleiten.

 

Nachfolgend schildert Mike Franz, Co-Founder und Verwaltungsrat von Netcetera sowie Projektleiter des M&A-Vorhabens, seine Erfahrungen im Zusammenhang mit der erfolgreichen Transaktion.

 

Wofür steht Netcetera und was zeichnet das Unternehmen aus?

Netcetera ist eine weltweit tätige Softwarefirma mit zukunftsweisenden IT-Produkten und individuellen digitalen Lösungen in den Bereichen Secure Digital Payment, Financial Technologies, Medien, Transport, Gesundheitswesen und Versicherungen. Mehr als 2 000 Banken und Issuer sowie 60 000 Händler setzen auf die digitalen Zahlungslösungen und global zertifizierten 3-D-Secure-Produkte des Marktführers für Payment Security.

 

Das Unternehmen deckt den gesamten IT-Lebenszyklus ab, von der Ideenfindung über die Strategie bis zur Umsetzung und dem Betrieb. Die ausgewogene Kombination neuester Technologien und bewährter Standards sorgt für Investitionssicherheit, sowohl bei Grossprojekten als auch innovativen Start-ups.

 

Wie entwickelt sich der Software-Markt aktuell in Bezug auf digitale Zahlungslösungen und kundenspezifische Software?

Gerade in den vergangenen 15 Monaten, in denen wir die Corona-Pandemie bewältigen, hat das Geschäft mit Software nochmals einen Aufschwung erlebt. Natürlich wurden in gewissen Branchen, die stark von der Krise betroffen waren, die IT-Investitionen etwas reduziert. Gleichzeitig wurde aber in anderen Bereichen noch einmal kräftig in die Digitalisierung investiert. Wir gehen davon aus, dass die zu erwartende Erholung der Gesamtwirtschaft in den kommenden Quartalen auch das Software-Geschäft zusätzlich ankurbeln wird.

 

Der digitale Zahlungsverkehr wird aus unserer Sicht in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen. Hier wird sich für uns zeigen, wie wir unsere starke Position im Heimmarkt (DACH) zusätzlich ausbauen können.

 

Was waren die Beweggründe für das Eingehen einer strategischen Partnerschaft mit G+D? Weshalb war 2020 der richtige Zeitpunkt für eine solche Partnerschaft?

Eigentlich haben wir die strategische Partnerschaft gar nicht gesucht. Die hat sich dann – eher zufällig – ergeben. Aber schön der Reihe nach:

 

Unsere Strategie 2016–2020 sah vor, das Produktgeschäft – gerade auch im Bereich «Payments» – noch stärker auszubauen. Diese Vorinvestitionen hat Netcetera in der Vergangenheit immer aus dem eigenen Cashflow finanziert. Wir mussten dann aber bereits Ende 2017 feststellen, dass die parallele Investition in das Produktportfolio bei gleichzeitigem Aufbau einer internationalen Verkaufs- und Vertriebsorganisation unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigt. Dies insbesondere auch aufgrund der Erkenntnis, dass dem Thema «Time-to-Market» grosse Bedeutung zukommt. Aus diesen Gründen haben wir dann das Projekt «ALBULA» gestartet, welches eigentlich einen Private-Equity-Partner anvisierte, der mit einer Minderheitsbeteiligung das notwendige Wachstumskapital eingebracht hätte.

 

Parallel und eigentlich ausserhalb ALBULA ergaben sich dann erste Gespräche mit G+D, welche uns dazu bewogen, die Partnerschaft mit einem Strategen als echte Alternative zu einem Finanzinvestor zu sehen. Neben den finanziellen Möglichkeiten des in siebter Generation stehenden deutschen Konzerns standen vor allem die ergänzende Produktpalette im Bereich «Payments» sowie die über 100 Niederlassungen weltweit, die umfassenden Markt- und Kundenzugang versprachen, im Zentrum unserer Überlegungen.

 

Schliesslich hat dieser «Smart Money»-Ansatz – neben weiteren wichtigen Faktoren – den Ausschlag gegeben, entgegen unserer ursprünglichen Absicht, einen strategischen Partner für die weitere Entwicklung des Unternehmens auszuwählen. Dass auch die Chemie zwischen den Exponenten beider Unternehmen von Beginn an stimmte, war sicherlich für die Bewältigung der üblichen Herausforderungen (Due Diligence, Vertragsverhandlungen) extrem wichtig und stimmt uns auch für den nun anstehenden gemeinsamen Weg positiv.

 

Das Projekt ALBULA kam damit nach 2 Jahren per September 2020 zu einem erfolgreichen Abschluss. Wir hätten uns eigentlich eine etwas schnellere Realisierung gewünscht. Die ganze Investorensuche war für uns ein spannendes Projekt, welches wir in wohldefinierten Phasen durchschreiten mussten, um dann zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen. Das Timing mit Blick auf den Markt hat zum Schluss gar nicht schlecht gepasst.

 

Welche Herausforderungen haben Sie bei der Realisierung der Transaktion am meisten gefordert?

Die Transaktion wurde von uns wie eben erläutert in mehrere Phasen unterteilt. Dabei hat mich als Projektleiter von ALBULA über verschiedene Phasen hinweg die Abstimmung im Verwaltungsrat und mit den wichtigsten Shareholdern am meisten beschäftigt. Man muss verstehen, dass für eine Firma wie Netcetera, die fast 25 Jahre eigentümergeführt und selbstfinanziert unterwegs war, der nun vollzogene Schritt nicht zuletzt auch mit Blick auf die grosse Anzahl Mitarbeiter, welche uns begleitet haben und noch immer begleiten, von grosser Bedeutung war.

 

Im Rahmen des Projektes mussten wir zudem auch unsere Rechnungslegung, die Belastbarkeit der entsprechenden Businesspläne, aber auch die Prozess- und Dokumentationstiefe verbessern. Für mich persönlich war die Due Diligence mit den parallel verlaufenden Vertragsverhandlungen eine echte Herausforderung. Einerseits war die Materie – zumindest partiell – neu und gleichzeitig musste eine gute Balance gefunden werden, um mit dem potenziellen Partner auch positiv in die Zukunft gehen zu können.

 

Was waren aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren bei der Realisierung dieser wichtigen Transaktion?

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Transaktion würde ich wie folgt zusammenfassen:

  • Recht klare, vermittelbare Vision, wo die Firma in 2025 stehen soll
  • Frühzeitige Einbindung und aktive Kommunikation an die Shareholder und Mitarbeiter (Netcetera hat weit über 100 Aktionäre)
  • Genügend Mut, frühere Entscheidungen auch wieder in Frage zu stellen
  • Klare und schlanke Projektorganisation, ergänzt durch ein erfahrenes Expertenteam, welches uns über den gesamten Prozess begleitet hat.

 

Weshalb liess sich Netcetera bei dieser Transaktion extern begleiten?

Obschon Netcetera über gewisse M&A-Erfahrung verfügt, war für uns von Beginn weg klar, dass ein Projekt von dieser Grössenordnung und Tragweite externer Unterstützung bedarf. Im Vordergrund standen für uns die folgenden Kriterien bei der Auswahl des M&A-Partners:

  • Erfahrung mit vergleichbaren Cases mit erfolgreichem Abschluss auf der Sell-Side
  • Zugang zu einem breiten Kreis von potenziellen Investoren (direkt oder indirekt über Netzwerke)
  • Match bezüglich Firmengrösse Netcetera und M&A-Partner
  • Persönliches Commitment und Involvement auf Stufe Management des M&A-Partners
  • Kenntnis der Unternehmung und Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den wichtigsten Stakeholdern.

 

Welche Bedeutung hatte für Sie die Unterstützung durch IFBC? Wo bzw. in welchen Phasen war der Mehrwert der externen Unterstützung besonders hoch?

IFBC hat uns in verschiedenen Phasen des Projektes nachhaltig unterstützt. Ursprünglich hatten wir den Zuschlag zugunsten IFBC nur für die Phase «Transaction Readiness» erteilt. Basierend auf der erfolgreichen Zusammenarbeit in diesem wichtigen Schritt war dann aber für alle Beteiligten klar, dass wir auch die eigentliche Investorensuche mit IFBC planen.

 

Eingeprägt haben sich bei mir die professionelle Begleitung im Bereich «Financials» während der Vorbereitung und die starke Führung im eigentlichen Ausschreibungsprozess. Meistens musste der externe Partner uns intern etwas pushen, damit die ambitionierte Timeline gehalten werden konnte.

 

Die Tatsache, dass mit Dr. Thomas Vettiger der Geschäftsführer der IFBC das Projekt ALBULA persönlich als Lead Counsel unterstützte und uns in den verschiedenen Phasen jederzeit mit seiner Expertise zur Verfügung stand, gab uns grosse Sicherheit im gesamten Prozess.

 

Wie hat sich die Partnerschaft mit G+D in der Zwischenzeit entwickelt? Sind Sie mit der aktuellen Entwicklung zufrieden?

Die Partnerschaft mit G+D ist nun 9 Monate alt und auch wenn es sicherlich noch zu früh für ein umfassendes Fazit ist, blicken wir sehr positiv auf die gemeinsame Zeit. Die Zusammenarbeit erleben wir aktuell auf verschiedenen Ebenen.

 

Im operativen Geschäft wird die strategische Partnerschaft als agiles Projekt mit sehr aktivem Involvement auf beiden Seiten vorangetrieben. Hier gibt es bereits erste positive Erfolge zu verzeichnen. Für uns eröffnen sich durch die intensive Zusammenarbeit mit G+D beispielsweise ganz neue Perspektiven – auch weil wir nun gemeinsam einen weltweiten Kundenstamm mit einem noch breiteren Portfolio bedienen können. Und trotz der unterschiedlichen Grössen der beiden Unternehmen erfolgt der Austausch auf Augenhöhe und wird von den entsprechenden Teams sehr geschätzt.

 

Strategisch wird der Verwaltungsrat seit September 2020 von zwei durch den neuen Ankeraktionär nominierten Personen tatkräftig unterstützt. Ich darf hierzu persönlich sehr positiv feststellen, dass diese Erweiterung wie gewünscht viele zusätzliche Kompetenzen und Erfahrungen mit an den Tisch gebracht hat. Dies insbesondere auch mit Blick auf die geplante Entwicklung in den kommenden Jahren.

 

Wo steht Netcetera in fünf Jahren?

Ein zentraler Faktor für den gemeinsamen Weg mit dem Ankeraktionär G+D bestand darin, dass unser neuer strategischer Partner an einen erfolgreichen und eigenständigen Weg der Netcetera glaubt. Schon heute sieht man, wir haben gemeinsam Grosses vor. Wir sind überzeugt, dass wir Netcetera global aufstellen und unsere ambitionierten Ziele erreichen können. Diese Entwicklung möchten wir im Rahmen der Strategie 2020–2025 optimal begleiten und uns für den dannzumal folgenden Schritt möglichst viele Optionen offenhalten.

Mike Franz ist Co-Founder und Verwaltungsrat von Netcetera. Er hat einen Abschluss in Elektrotechnik der ETH Zürich. Nach der Gründung der Netcetera im Jahre 1996 konzentrierte er sich kontinuierlich auf die Akquisition sowie die Betreuung von grossen Kunden-Accounts. Als Head of Sales and Business Development und Mitglied der Geschäftsleitung der Netcetera trug er über viele Jahre die Verantwortung über das gesamte Sales und Business Development des Unternehmens. Heute begleitet Mike Franz die Netcetera und verschiedene andere IT-Firmen im Verwaltungsrat und amtet als Bankrat der Thurgauer Kantonalbank. Als Berater unterstützt er diverse Unternehmen im Finanz- und Softwarebereich.

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IFBC Team

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