Reduzierte M&A-Aktivitäten 2020

Reduzierte M&A-Aktivitäten 2020

Das COVID-19 Umfeld schafft zusätzliche Herausforderungen im Zusammenhang mit der Anbahnung und Abwicklung von M&A-Transaktionen. Die gegenwärtige Unsicherheit wirkt sich insbesondere seit April 2020 negativ auf die M&A-Aktivitäten aus. Der Verkäufermarkt dürfte sich zumindest in einzelnen Branchen zu einem Käufermarkt wandeln.

 

Was uns die Vergangenheit hinsichtlich M&A-Aktivitäten nahelegt

Empirische Daten belegen, dass in Zeiten wirtschaftlicher Krisen und Rezessionen die M&A-Aktivitäten üblicherweise zurückgehen. Im Zuge der letzten globalen Finanzkrise oder auch der Dotcom-Krise sank die jährliche Anzahl weltweiter M&A-Transaktionen gemäss Daten von Bloomberg um 31% bzw. 27%. Daten für den aus Schweizer Sicht wichtigen M&A-Markt Europa bestätigen dies ebenfalls.

 

Die jüngsten Entwicklungen im M&A-Markt

In der durch COVID-19 ausgelösten realwirtschaftlichen Krise zeichnet sich nun ebenfalls ein Rückgang der M&A-Aktivitäten ab. Währendem im ersten Quartal 2020 die Anzahl Transaktionen global im Vergleich zur Vorjahresperiode noch relativ stabil war, konnte für die Monate April und Mai bereits ein deutlicher Rückgang M&A-Aktivitäten festgestellt werden. Sowohl global betrachtet als auch im europäischen Umfeld sank das M&A-Volumen in diesen Monaten um über 40%, die Anzahl Transaktionen um über 30% gegenüber demselben Vorjahresmonat. Dies überrascht in Anbetracht der aktuell grossen Unsicherheiten wenig, welche wir in einem früheren Blog beschrieben haben. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Entwicklung der M&A-Aktivitäten in Europa.

 

Die Entwicklung der M&A-Aktivitäten in Europa

M&A-Intro-Deutsch

Quelle: Bloomberg, M&A und Investments, mit europäischen Zielunternehmen, Stand 9. Juni 2020

 

Vom Verkäufer- zum Käufermarkt

Wir erwarten vor dem Hintergrund der bestehenden Unsicherheiten in den kommenden Monaten eine Bestätigung des jüngst zu beobachtenden Trends und gehen auch auf Jahresbasis gesamthaft von einer deutlichen Reduktion der M&A-Aktivitäten aus. Ob die M&A-Aktivitäten mit Blick auf die gegensätzlich wirkenden Einflussfaktoren (u.a. erschwerte Rahmenbedingungen in einem Pandemie-Umfeld versus tiefe (oder gar negative) Zinsen und nach wie vor ansprechendes Bewertungsniveau) weniger abnehmen und/oder sich rascher erholen als in vergangenen Krisen, hängt insbesondere von der Entwicklung der Pandemie und damit dem Verlauf des ökonomischen Aufschwungs ab.

 

Für die verschiedenen Branchen erwarten wir in jedem Fall signifikant unterschiedliche Entwicklungen in Abhängigkeit der Betroffenheit der jeweiligen Branche von den COVID-19 Auswirkungen und Massnahmen.

 

In den besonders betroffenen Branchen wie Tourismus, Einzelhandel, Unterhaltungs- und Reisebranche dürfte die Akquisitionstätigkeit in den nächsten Jahren zurückgehen. Da in diesen Branchen aber auch mit einigen Restrukturierungsfällen zu rechnen ist, bieten sich für mutige und finanziell solvente Käufer auch Chancen, durch gezielte Add-on-Akquisitionen gestärkt aus der COVID-19 Krise hervorzugehen. Demgegenüber erwarten wir in der Pharma- und Gesundheitsbranche, aber auch im Technologie- und Energiesektor generell stabilere oder gar steigende Investitionsvolumen.

 

Das extrem tiefe Zinsniveau und die positiven Wirtschaftsaussichten haben den M&A-Markt in den letzten Jahren beflügelt. Insbesondere auf Verkäuferseite konnte man in dieser Phase von steigender Nachfrage und damit höheren Preisen profitieren. Es ist zu erwarten, dass sich im aktuellen Umfeld und unter den oben umrissenen Perspektiven der ursprüngliche Verkäufermarkt zumindest in einzelnen Branchen zu einem Käufermarkt wandeln wird.

 

Das aktuelle M&A-Umfeld schafft zusätzliche Herausforderungen für die Beteiligten

Sowohl für auf dem M&A-Markt aktive Käufer als auch Unternehmen, die sich aus verschiedensten Gründen für Desinvestitionen entscheiden, sind M&A-Transaktionen aktuell besonders anspruchsvoll. Für Käufer ist im gegenwärtigen Umfeld nicht nur das Upside, sondern auch das Downside oft grösser als unter normalen Rahmenbedingungen. Und zugleich möchte man aus Verkäufersicht die aktuellen Unsicherheiten so weit wie möglich reduzieren.

 

Gestützt auf unsere langjährige Erfahrung bei Unternehmenstransaktionen geben wir in zwei demnächst erscheinenden Blogbeiträgen Handlungsempfehlungen für Käufer und Verkäufer ab, um im aktuellen Umfeld die Transaktionssicherheit zu erhöhen und zu erfolgreichen Firmentransaktionen beizutragen.

IFBC Team

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