Bedeutung von Synergien bei Unternehmenstransaktionen

Bedeutung von Synergien bei Unternehmenstransaktionen

Synergiebewertung ist auch für den Verkäufer wichtig

Am 1. April 2019 gaben die beiden Logistikkonzerne DSV und Panalpina die definitive Einigung über ihren Zusammenschluss bekannt. Nachdem das Angebot an die Panalpina-Aktionäre im Februar als Barangebot ausgestattet war, einigte man sich schliesslich auf ein reines Tauschangebot. Das durch Analysten als hoch eingeschätzte Angebot wurde durch DSV u. a. mit substantiellen Synergien aufgrund von Ähnlichkeiten in Geschäftsmodellen, Services und Strategien begründet. Auch die Hauptaktionäre von Panalpina scheinen mit einem erheblichen Synergiepotential zu rechnen, indem sie bereits die Andienung ihrer Aktien angekündigt haben und sie nun durch den Umtausch in DSV-Aktien auch in Zukunft von möglichen Synergien profitieren können.

 

Dieses Beispiel zeigt, dass sich bei Transaktionen nicht nur der Käufer, sondern auch die Verkäuferseite gründlich mit der Synergiefrage auseinandersetzen muss. Das Synergiepotential ist nicht nur ein wesentliches Element der Preisverhandlungen, sondern es kann auch die Strukturierung des Angebots beeinflussen.

 

Systematische Ermittlung hilft bei der späteren Realisierung des Synergiepotentials

Eine Über- oder auch Unterschätzung des Synergiepotentials hat grossen Einfluss auf den Erfolg einer Transaktion. Wird das Wertpotential der Synergien durch den Käufer zu tief angesetzt, führt dies zu einem vergleichsweise tiefer liegenden Angebot und könnte das Zustandekommen der Transaktion gefährden. Im Fall überschätzter Synergien besteht die latente Gefahr, dass die Transaktion überzahlt wird. Eine systematische Identifikation, verbunden mit einer realistischen Planung und Bewertung der Netto-Synergien, ist deshalb von grösster Bedeutung. Folgende Punkte sind im Zusammenhang mit der Synergieermittlung besonders zu beachten:

  • Eine rudimentäre Synergiebewertung, bei der die Stand-Alone Werte der an der Transaktion beteiligten Unternehmen vom Wert des kombinierten Unternehmens in Abzug gebracht werden, kann zu einer falschen Einschätzung des Gesamtwertes der Synergien führen.
  • Eine systematische Identifikation hilft alle Synergiepotentiale zu erkennen und zu ermitteln und somit eine Unterschätzung der Netto-Synergien zu vermeiden.
  • Mangelhafte Berücksichtigung von Integrationskosten und wiederkehrenden negativen Synergien (Kannibalisierung, Verlust von Kundenbeziehungen etc.) führt zu einer Überschätzung des Synergiepotentials insgesamt.
  • Die ermittelten Zahlungsströme der Netto-Synergien sollten nach Möglichkeit mit Vergleichsdaten von Transaktionen und Peer Group Unternehmen plausibilisiert werden.
  • Die Berücksichtigung von Realisierungswahrscheinlichkeiten sowie Sensitivitäts- und Szenarioanalysen helfen, die Unsicherheiten bei der Synergieermittlung zu reduzieren und eine solide Verhandlungsbasis zu schaffen.
  • Frühzeitigte Einbindung der operativen Einheiten in die Synergieanalyse erhöht die Wahrscheinlichkeit der späteren Realisierbarkeit der veranschlagten Synergien.
  • Ein systematisches Integrations- und Massnahmen-Controlling ist Voraussetzung für die erfolgreiche Realisierung geplanter Synergien.

Christian Gätzi, CFA

Partner

christian.gaetzi@ifbc.ch