Erfolgreich mit konjunkturellen Schwankungen umgehen

Erfolgreich mit konjunkturellen Schwankungen umgehen

Die Zeichen stehen auf Sturm! Die deutsche Wirtschaft ist im 2. Quartal 2019 geschrumpft und auch in unseren anderen Nachbarländern Frankreich, Italien und Österreich stagniert die Wirtschaftsleistung bzw. es sind BIP-Rückgänge zu beobachten. Ökonomen erwarten in der Schweiz ebenfalls einen konjunkturellen Abschwung. Die als Frühindikatoren geltenden Einkaufsmanagerindices (Purchasing Managers‘ Index – PMI) liegen für die Euro-Zone und insbesondere für unseren wichtigsten Handelspartner Deutschland und für die Schweiz selber unter dem Schwellenwert von 50, was auf eine rückläufige wirtschaftliche Entwicklung hindeutet. In der Schweiz liegt der Wert für die Industrie per September 2019 bei 44.6 Punkten – auf dem tiefsten Stand seit rund 10 Jahren! Auch die Konjunkturdaten aus China sind schwach und der Handelskonflikt mit den USA spitzt sich zu.

 

In den letzten Wochen war zudem in einigen Ländern (u.a. USA, Grossbritannien, Schweiz) eine inverse Zinsstrukturkurve zu beobachten, wenn auch teilweise nur für einen sehr kurzen Zeitraum. Eine inverse Zinskurve gilt als Indiz dafür, dass die Investoren die künftige Wirtschaftsentwicklung eher pessimistisch einschätzen. Auch wenn die statistische Signifikanz nicht gegeben ist, so war eine negative Zinskurve in der Vergangenheit sehr oft ein Vorbote einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung.

 

Systematische Auseinandersetzung mit dem eigenen Unternehmen und dem Umfeld

Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, sich ein Bild über die Krisenanfälligkeit bzw. Krisenresistenz des eigenen Unternehmens zu machen und sich auf einen potentiellen Wirtschaftsabschwung vorzubereiten.

 

Dies kann beispielsweise auf der Basis einer systematischen Analyse des firmenspezifischen Geschäftsmodells erfolgen. Zu analysieren sind dabei die folgenden übergeordneten Fragestellungen:

  • Welchen Einfluss hat ein wirtschaftlicher Abschwung auf die Branchendynamik?
  • Wie ist die strategische Positionierung des Unternehmens im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten zu beurteilen?
  • Welche Wert- und Risikotreiber beeinflussen die Wertschöpfungskette des Unternehmens?
  • Ist die finanzielle Situation des Unternehmens genügend robust, um eine negative konjunkturelle Entwicklung durchzustehen?

Abgeleitet aus der Geschäftsmodellanalyse sind sowohl Massnahmen zur unmittelbaren Stärkung der unternehmerischen Krisenresistenz umzusetzen als auch potentielle Massnahmen, im Sinne vorbehaltener Entschlüsse, zur wirksamen Begegnung allfälliger negativer wirtschaftlicher Entwicklungen, zu definieren. Je früher sich die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat mit den potenziellen Herausforderungen eines konjunkturellen Abschwungs auseinandersetzen, desto grösser dürfte der Handlungsspielraum für die Umsetzung notwendiger Massnahmen sein.

 

Finanzielle Unternehmensführung

Aus der Perspektive des CFO und somit aus der Sicht der finanziellen Führung sind die folgenden vier Aspekte zur Krisenprävention besonders wichtig:

Gewährleistung der Visibilität
Verzögertes oder gar zu spätes Handeln ist u.a. auf eine unzureichende Informationsgrundlage zurückzuführen. Dem finanziellen Reporting kommt somit gerade in Krisenzeiten grosse Bedeutung zu. Eine klare Sicht auf mögliche zukünftige Entwicklungen (Denken in Szenarien) erhöht den Handlungsspielraum und die Erfolgschancen eine Unternehmenskrise abzuwenden. Zudem kann frühzeitig auf Fehlentwicklungen reagiert werden.

 

Sicherung der Liquidität
Eine starke Eigenkapitalausstattung gepaart mit einer substantiellen Liquidität verleiht Unternehmen auch in Krisenzeiten Stabilität und Flexibilität. Ausreichende flüssige Mittel und angemessene Kreditlimiten sind unerlässlich, um den Fortbestand eines Unternehmens auch in Krisenzeiten zu sichern. Dazu kommt ein wirkungsvolles, in der Organisation gut verankertes, Net Working Capital Management.

 

Umgang mit finanziellen Risiken
Ein wirtschaftlicher Abschwung in den (europäischen) Absatzmärkten wird sehr oft auch von einem Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken begleitet, was die Situation für viele Schweizer Unternehmen zusätzlich erschwert. Aufgrund der schlechten Prognostizierbarkeit von Wechselkursentwicklungen ergibt sich daraus insbesondere die Forderung nach einem professionellen Währungsrisikomanagement.

 

Kommunikation
In Krisenzeiten kommt der Kommunikation eine hohe Bedeutung zu. Insbesondere zur Sicherung der kurz- und mittelfristigen Liquidität ist der offene und transparente Austausch mit den kreditfinanzierenden Banken und den Eigenkapitalgebern zentral, um das Vertrauen in das Unternehmen aufrechtzuhalten. Dabei gilt es bei den Kapitalgebern das Verständnis für das Geschäftsmodell zu schärfen und mögliche finanzielle Entwicklungen beispielsweise mittels Szenarien aufzuzeigen.

Untersuchen zeigen, dass Unternehmen, die sich frühzeitig auf eine Krisenphase eingestellt und entsprechende Massnahmen ergriffen haben, in der Tendenz vom Wiederaufschwung mehr profitieren können als vergleichbare untätige Unternehmen. Auch diese Erkenntnis spricht dafür, sich rechtzeitig ein Bild über die eigene Krisenresistenz zu machen und insbesondere in Bezug auf die Finanzen vorbereitende Massnahmen einzuleiten.

 

Gerne stehen wir Ihnen zur Diskussion der Thematik zur Verfügung.

IFBC Team

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