Interview mit Urs Rhyner, Geschäftsleiter der EASZ AG

Interview mit Urs Rhyner, Geschäftsleiter der EASZ AG

Die Energie Ausserschwyz AG (EASZ) setzt das grösste Energieprojekt in der Region Ausserschwyz (am Zürichsee und Obersee gelegene Gebiete des Kantons Schwyz) um. Mit dem Bau eines modernen Energiezentrums in Galgenen und eines entsprechenden Fernwärmenetzes sollen in einer ersten Etappe sechs Ortschaften mit erneuerbarer und ökologischer Wärme erschlossen werden. Mit einem Holzkraftwerk sollen dazu aus regionalem Alt-, Rest- und Waldholz erneuerbarer Strom und Wärme produziert werden. Die Inbetriebnahme der ersten Abschnitte des Fernwärmenetzes ist auf die Heizsaison 2021/22 geplant. Die EASZ wurde bei der Finanzierung dieses Energieprojekts durch IFBC als exklusiver Financial Advisor während des gesamten Finanzierungsprozesses unterstützt. Urs Rhyner, Geschäftsleiter der EASZ, gibt nachfolgend einen Einblick in das Energieprojekt und schildert seine Erfahrungen im Zusammenhang mit der Finanzierung der EASZ im Umfang von CHF 60 Millionen.

 

Weshalb setzt die EASZ auf Fernwärme?
Um die definierten Ziele der Energiestrategie 2050 und die Grenzwerte des resultierenden CO2-Gesetzes zu erreichen, ist eine CO2-neutrale, erneuerbare Wärmeversorgung unerlässlich. Ein grosser Vorteil der Fernwärme ist sodann die weitgehende Unabhängigkeit von der verwendeten Wärmeerzeugungstechnologie. Heute setzen wir auf ein Holzkraftwerk. Welche Technologie in Zukunft am sinnvollsten eingesetzt wird, wissen wir heute noch nicht. Schliesslich ist es für unsere Kundschaft die einfachste und bequemste Weise, erneuerbare Wärme in ihren Liegenschaften zu integrieren.

 

Was zeichnet das Fernwärmeprojekt der EASZ aus?
Im Gegensatz zu manch anderen Schweizer Fernwärmeprojekten starten wir nicht klein und wachsen langsam weiter. Nach einer kurzen Bauzeit starten wir bereits mit einem grösseren Versorgungsgebiet, das sich über mehrere Dörfer erstreckt. So können wir in unserem entsprechend grossen Energiezentrum nicht nur Wärme aus Holz gewinnen, sondern auch höherwertigen Strom produzieren. Das Projekt ist sehr gut gestartet und das Energiezentrum sollte planmässig bis Ende Jahr in Betrieb gehen.

 

Was bedeutet die Gewinnung der Brugg Group AG als zusätzlicher Aktionär für die EASZ?
Ein breit abgestütztes Aktionariat hilft diesem ambitionierten Projekt sehr. Die EW Höfe AG als Hauptaktionärin und regionaler Energieversorger und die Familie Züger als lokaler Baurechtsgeber bilden eine solide Grundlage. Mit der Brugg Group AG als Aktionärin konnte ein wichtiger Partner und Lieferant mit viel spezifischem Branchen-Know-how gewonnen werden. Die Zusammenarbeit erweist sich bereits jetzt für beide Seiten als sehr erfolgreich, weil wir gegenseitig von neuen Erkenntnissen profitieren können. In diesem Sinne ist die Brugg Group AG ein strategischer Investor, der das Aktionariat wirkungsvoll ergänzt.

 

Was war bei der Wahl des Fremdkapitalgebers für Sie besonders wichtig?
Neben den üblichen bedeutenden Kriterien für eine Fremdfinanzierung wie Flexibilität und marktgängige Konditionen war uns die Vertrautheit des Kreditgebers mit der Region, erneuerbaren Energien und insbesondere Fernwärmeprojekten wichtig. Insbesondere Letzteres stellt gleichzeitig sicher, dass die Rahmenbedingungen für die Finanzierung zielführend ausgestaltet sind und eine gemeinsame Diskussionsbasis vorhanden ist. Man muss einen Finanzierungspartner finden, zu dem man in einem partnerschaftlichen Verhältnis steht und der ein ähnliches Mindset hat. Zudem haben wir als KMU auch einfachen Verträgen sowie der Vertrautheit mit den üblichen Schweizer Kredit- und Geschäftsbedingungen einen hohen Stellenwert eingeräumt.

 

Sind Sie mit dem Resultat der Fremdfinanzierung zufrieden?
Wir sind mit unser Finanzierungslösung – eine Kreditfinanzierung mit einer Schweizer Grossbank – sehr zufrieden. Wir haben damit einen sehr starken Finanzpartner gewinnen können, der bei Kunden noch mehr Vertrauen schaffen wird. Gleichzeitig können wir uns voll auf die erfolgreiche Umsetzung des Projekts konzentrieren, weil die Finanzierung für den Aufbau des Energiezentrums sowie des Fernwärmenetzes gesichert ist, die uns die notwendige finanzierungsseitige Flexibilität einräumt.

 

Was waren für Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Ihre Fremdfinanzierung?
Das Fundament einer gelungenen Finanzierung sind eine stringente Strukturierung des Business Case und damit einhergehend des Finanzierungsbedarfs. Es lohnt sich, vor der Kontaktierung möglicher Kapitalgeber den Businessplan auf Konsistenz sowie Robustheit der Annahmen zu prüfen und auch in Szenarien zu denken. IFBC hat uns zudem sehr geholfen, mit der Investorenbrille die richtigen Fragen und Antworten zu identifizieren, sodass wir gut vorbereitet in die Gespräche mit den potenziellen Kapitalgebern gehen konnten. Schliesslich ist es zentral zu wissen, was für die Kapitalgeber möglich ist und auch einen Wettbewerb zwischen den potenziellen Kapitalgebern zu schaffen. Damit lassen sich nicht nur die Konditionen, sondern eben auch die sehr wichtige finanzielle Flexibilität optimieren.

 

Weshalb haben Sie sich externe Unterstützung geholt?
Einerseits, um vorgängig die Transaktionsbereitschaft zu erhöhen. So haben wir zusammen mit IFBC vorab den Business Case und damit den Finanzierungsbedarf optimal strukturiert, die Investorenunterlagen aufbereitet und die Finanzierungsanfrage aus Kapitalgebersicht beurteilt. Eine Phase, die sich für uns definitiv ausbezahlt hat. Andererseits fehlte uns die Erfahrung für die Verhandlungen mit Investoren und Kreditgebern. Wir kannten den Handlungsspielraum und die möglichen Konditionen schlicht zu wenig und hätten einiges verschenkt, wie wir heute wissen. Dank der Expertise konnten wir die Vertretung unserer Interessen im Rahmen der Verhandlungen mit den Kreditgebern IFBC überlassen, die einen kompetitiven Wettbewerb lancierte. So hatten wir am Ende die Qual der Wahl. In diesem Sinne konnte uns IFBC auch in diesem Kontext sehr wertvolle Unterstützung anbieten. Generell war das Team von IFBC für uns schliesslich der erhofft zuverlässige und kompetente Sparringspartner während des Finanzierungsprozesses.

 

Noch ein Blick in die Zukunft. Für was wird die EASZ in fünf bis zehn Jahren stehen?
Für die zuverlässige und bequeme Standardlösung der erneuerbaren Wärmeversorgung in der Region Ausserschwyz. In unserem Versorgungsgebiet wollen wir längerfristig über 60% der Liegenschaften an unser Netz anschliessen. Dies ist möglich, weil wir ein exzellentes Produkt und eine effiziente Erschliessungsstrategie haben.

Dr. Urs Rhyner ist Geschäftsleiter der Energie Ausserschwyz AG. Zuvor arbeitete er sechs Jahre bei der Agro Energie Schwyz AG, zuerst als Leiter Strategie & Innovation und anschliessend als CFO. Urs Rhyner hat an der ETH in Zürich und Lausanne Materialwissenschaften studiert und am Paul Scherrer Institut im Bereich erneuerbare Energien doktoriert.

Sharing is caring!

IFBC Team

info@ifbc.ch