Diesjährige Impairment-Tests mit besonderen Herausforderungen

Diesjährige Impairment-Tests mit besonderen Herausforderungen

Diverse Unternehmen mit hohen Goodwill-Positionen in der Bilanz

Gemäss den geltenden Rechnungslegungsstandards muss die Werthaltigkeit des Goodwills sowie der immateriellen Vermögenswerte mit unbestimmter Laufzeit jährlich mit einem Impairment-Test überprüft werden.

 

Von den aktuell 213 im SPI erfassten Unternehmen schliessen 123 Unternehmen nach IFRS oder US GAAP ab. Per Ende 2019 wiesen 89 dieser Unternehmen in ihrem Jahresabschluss einen Goodwill aus. Bei 45 Firmen oder 37% aller IFRS- oder US-GAAP-Unternehmen betrug der Goodwill mehr als 25% des Buchwerts des Eigenkapitals. Bei 20% lag dieser Anteil sogar über 50%. Bei diesen Unternehmen kann eine Wertberichtigung des Goodwills die Eigenkapitalbasis signifikant reduzieren.

Goodwill in % des Buchwerts des Eigenkapitals (GW/EK) per Ende 2019

Bild-1-Neu

Quelle: Bloomberg, Analyse IFBC.

Verteilung der Unternehmen mit einer GW/EK-Quote von über 25% nach Industrien

Bild-2-Neu

Die Unternehmen mit einem hohen Goodwill-Anteil in der Bilanz sind über die einzelnen Industrien relativ gleichmässig verteilt. Einzig in den Sektoren «Utilities/Energy» und «Services» weisen weniger als fünf Unternehmen einen Goodwill von mehr als 25% des Eigenkapitals auf.

 

COVID-19-Pandemie als potenzieller Triggering Event

Neben den jährlich durchzuführenden Impairment-Tests muss bei Vorliegen sogenannter Triggering Events auch unterjährig die Werthaltigkeit des Goodwills resp. der immateriellen Vermögenswerte mit unbestimmter Laufzeit überprüft und allenfalls ein Impairment verbucht werden. Ein Triggering Event liegt insbesondere dann vor, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld des Unternehmens signifikant negativ verändert oder die Marktkapitalisierung des betreffenden Unternehmens unter den Buchwert des Eigenkapitals fällt.

 

Erwartungsgemäss widerspiegeln sich die aktuellen ökonomischen Entwicklungen rund um die COVID-19-Pandemie bereits in den Impairment-Tests im Rahmen der aktuellen Halbjahresabschlüsse der Schweizer Unternehmen. So mussten im ersten Halbjahr 2020 bereits 14 der 123 SPI-Unternehmen, die nach IFRS oder US GAAP abschliessen, ein Impairment auf Goodwill oder weiteren immateriellen Vermögenswerten verbuchen. Insbesondere Unternehmen aus Branchen, bei welchen mit keiner nachhaltigen Erholung zu rechnen ist (vgl. u.a. unser Blog vom 6. Mai 2020), sind einem erhöhten Impairment-Risiko ausgesetzt. So musste beispielsweise Dufry, welche vom Einbruch in der Reiseindustrie besonders stark betroffen ist, im ersten Halbjahr 2020 ein Goodwill-Impairment in der Höhe von CHF 132 Mio. vornehmen. Insgesamt erlitt das Unternehmen pandemiebedingt einen Halbjahresverlust von rund CHF 1 Mrd. Die Kapitalbasis soll nun u.a. durch eine geplante Kapitalerhöhung im Umfang von CHF 700 Mio. gestärkt werden.

 

Impairment-Tests im aktuellen Marktumfeld besonders herausfordernd

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie und der resultierenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft ist zu erwarten, dass im Rahmen der diesjährigen Jahresabschlüsse weitere Wertberichtigungen auf Goodwill-Positionen verbucht werden müssen. Dabei stehen insbesondere Unternehmen im Fokus, die in einer von der COVID-19-Pandemie besonders betroffenen Branche tätig sind. Bei der Umsetzung der Impairment-Tests im aktuellen Marktumfeld sind Unternehmen mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Gerade in einer solchen Situation erachten wir es als zentral, dass ein Impairment-Test bewertungstechnisch korrekt und konsistent umgesetzt wird. Damit kann sichergestellt werden, dass ein potenzielles Impairment nicht falsch eingeschätzt wird. In diesem Zusammenhang müssen Unternehmen bei der Umsetzung der diesjährigen Impairment-Tests insbesondere folgende Fragen beantworten:

  • Wird die erhöhte Planungsunsicherheit in Bezug auf die Auswirkungen und die Dauer der Pandemie im Impairment-Test methodisch und inhaltlich adäquat abgebildet?
  • Sind die Annahmen im Businessplan durch Marktdaten genügend abgestützt?
  • Ist der unterstellte Kapitalkostensatz aufgrund der aktuellen Marktverwerfungen verzerrt? Falls ja, wie ist mit solchen Verwerfungen umzugehen?
  • Müssen zusätzliche Risikozuschläge im Kapitalkostensatz berücksichtigt werden?
  • Auf welcher Grundlage wird das nachhaltige Ertragsniveau in der Bewertung abgeschätzt?
  • Sind allfällige Anpassungen bei der Bewertungsmethodik oder bei der Bestimmung des relevanten Kapitalkostensatzes auch in Zukunft angemessen und zielführend?

Unsere Erfahrungen bei der Umsetzung von Impairment-Tests im aktuellen Jahr zeigen, dass Risiken in Verbindung mit der COVID-19-Pandemie oftmals überschätzt oder bewertungstechnisch nicht korrekt abgebildet werden. Als Folge resultiert ein potenziell überschätzter Impairment-Bedarf. Des Weiteren haben die jüngsten Berechnungen von Kapitalkostensätzen gezeigt, dass insbesondere Beta-Faktoren als wesentliche Bestimmungsgrösse im Rahmen der Kapitalkostenbestimmung seit März 2020 teils signifikant angestiegen sind. Mit der richtigen Interpretation solcher Veränderungen und der angemessenen Abbildung im Kapitalkostensatz können Fehlbeurteilungen bei Impairment-Tests vermieden werden.

 

Bei bewertungstechnischen Fragestellungen oder bei Fragen in Bezug auf die Kapitalkostensatzbestimmung im Zusammenhang mit Impairment-Tests stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Sharing is caring!

Tags:

IFBC Team

info@ifbc.ch