Interview mit Alain Hasler, Group CFO von Scott Sports SA

Interview mit Alain Hasler, Group CFO von Scott Sports SA

Scott Sports SA ist ein Schweizer Sportartikelhersteller mit US-amerikanischen Wurzeln. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Geschäftsbereiche Fahrrad, Wintersport, Motorsport sowie Laufsport. Seit 2015 ist Scott im Mehrheitsbesitz des südkoreanischen Unternehmens Youngone, ein global führender Produzent von Outdoor- und Sportbekleidung. Scott mit Hauptsitz in Givisiez beschäftigt aktuell rund 330 Mitarbeitende. Im nachfolgenden Interview gibt uns Alain Hasler, langjähriger Group CFO von Scott, spannende Einblicke zu den Auswirkungen der COIVD-19-Pandemie auf die Geschäftstätigkeit von Scott und wie er mit diesen ausserordentlichen Rahmenbedingungen bei der Umsetzung der Impairment-Tests nach IAS 36 umgegangen ist.

 

Welche Auswirkungen hatte die COVID-19-Pandemie auf die Geschäftstätigkeit von Scott?

Als die Infektionszahlen im März letzten Jahres weltweit rasant angestiegen sind und das öffentliche Leben in Folge der ergriffenen Massnahmen nahezu vollständig zum Stillstand kam, waren auch wir bei Scott unmittelbar mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Zahlreiche Vertriebspartner wollten innert kürzester Frist offene Bestellungen reduzieren oder teilweise sogar vollumfänglich stornieren. In Kombination mit einem hohen Lagerbestand und dem starken Einbruch der Verkaufsaktivitäten waren die ersten 6 herausfordernden Wochen für uns geprägt von einem laufenden Austausch und bilateralen Verhandlungen mit unseren weltweiten Partnern sowie der Liquiditätssicherung.

 

In den darauffolgenden Wochen und Monaten erholten sich die Nachfrage und damit auch die Bestelleingänge fortlaufend. Während des ersten verordneten Lockdowns entwickelten Grossteile der Bevölkerung ein starkes Bedürfnis, die Zeit im Freien mit entsprechenden Outdooraktivitäten zu verbringen. Alternative Mobilitätslösungen zum öffentlichen Verkehr waren plötzlich ebenso gefragt, und auch E-Bikes erleben seither einen zuvor nicht gesehenen Boom.

 

All diese Faktoren führten mittelfristig dazu, dass unser Absatzvolumen und damit auch unser Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr historische Höchststände erreichten. Insgesamt brachte die pandemiebedingte Entwicklung für Scott einen positiven Effekt mit sich. Nichtsdestotrotz waren wir aufgrund des starken Anstiegs der Nachfrage mit grossen, insbesondere strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Sowohl die Produktion als auch die gesamte Zuliefererkette gelangte kapazitätstechnisch und logistisch an ihre Grenzen. Im Anschluss an die ersten Lockerungen des Lockdowns haben wir bei Scott einen 2-Schicht-Betrieb eingeführt und nahezu 7 Tage die Woche Bikes und Zubehör ausgeliefert. Infolgedessen hat sich unser Lagerbestand auf nahezu null reduziert, während unsere Produktionsabteilung mangels Nachschub an einzelnen Komponenten nicht ausreichend neue Fahrräder produzieren konnte, um den Bedarf vollumfänglich decken zu können.

 

Im Rahmen des Jahresabschlusses 2020 mussten Sie die regulären Impairment-Tests durchführen. Wie haben Sie diese ausserordentliche Lage und die damit in Verbindung stehenden Unsicherheiten im Rahmen der Werthaltigkeitstests abgebildet?

Um die zusätzlichen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der vorherrschenden Pandemie abzubilden, haben wir für unseren langfristigen Businessplan unterschiedliche Zukunftsszenarien erarbeitet. Das Abschätzen der zukünftigen Entwicklung unseres Geschäfts gestaltete sich im aktuellen Umfeld besonders herausfordernd, da zentrale Faktoren wie das zukünftige Nachfrageniveau sowie die ausreichende Verfügbarkeit von Einzelkomponenten auch heute noch mit grosser Unsicherheit behaftet sind. Deshalb erachteten wir eine verlässliche Prognose auf Basis eines einzelnen Szenarios als zu fehleranfällig. Letztlich haben wir insgesamt vier Szenarien ausgearbeitet und diese unterschiedlich gewichtet, um einen wahrscheinlichkeitsbasierten Businessplan als Grundlage für die Werthaltigkeitstests herzuleiten.

 

Weshalb haben Sie in diesem Zusammenhang nicht einfach den Risikozuschlag im Kapitalkostensatz erhöht?

Dieser Ansatz wäre sicherlich weitaus einfacher gewesen und hätte uns als methodische Abkürzung den doch hohen Aufwand in Bezug auf die Entwicklung unterschiedlicher Szenarien erspart. Jedoch erachteten wir genau diese Mehrarbeit in Zusammenhang mit der interdisziplinären Erarbeitung der einzelnen Businessplan-Szenarien als äusserst gewinnbringend und hilfreich für eine erfolgreiche Steuerung des Unternehmens im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld. Wir mussten uns mit den zentralen Faktoren unseres Geschäftsmodells fundiert auseinandersetzen und konnten aus diesem Grund auch unsere eigene finanzielle wie auch operative Expertise im ganzen Unternehmen stärken. Dieses Vorgehen half uns schliesslich auch in der Kommunikation mit unserem Mehrheitsaktionär, dem gesamten Management, der Revisionsgesellschaft sowie weiteren internen und externen Stakeholdern. Die Durchführung der Impairment-Tests auf Basis des vereinfachten Ansatzes mittels eines pauschalen Risikozuschlags im Kapitalkostensatz hätte die Abbildung der pandemiebedingten Unsicherheiten aus unserer Sicht nicht in ausreichendem Masse ermöglicht. Dies auch aufgrund der Tatsache, dass sich die diversen, mehrheitlich temporär beschränkten Auswirkungen der Pandemie nicht nachvollziehbar als einzelne Prämienkomponenten hätten quantifizieren lassen.

 

Was waren die wesentlichen Herausforderungen bei der Umsetzung der Impairment-Tests basierend auf unterschiedlichen Szenarien?

Wie bereits zuvor erläutert, waren die Identifikation sowie die Abschätzung der zukünftigen Entwicklungen der einzelnen Inputfaktoren mit intensiver Arbeit verbunden. Die eigentliche Herausforderung lag jedoch in der Gewichtung der einzelnen Szenarien, da gewisse getroffene Annahmen von externen Faktoren wie beispielswiese der Kapazität unserer Logistikpartner und Zulieferer abhängen. Letztlich ging es für uns darum, die Eintrittswahrscheinlichkeiten auf Basis fundierter Annahmen nachvollziehbar abschätzen zu können.

 

Konnten Sie aus den diesjährigen Impairment-Tests zusätzliche Erkenntnisse gewinnen?

Der positive Aspekt der diesjährigen Impairment-Tests war sicherlich die Erarbeitung der unterschiedlichen Businessplan-Szenarien. Wir konnten damit unser Verständnis zu den Auswirkungen auf unser Geschäftsergebnis in Abhängigkeit der Entwicklung einzelner Faktoren deutlich schärfen. Dies ermöglichte uns, bereits frühzeitig auf entsprechende Entwicklungen zu reagieren und allfällig notwendige Massnahmen vorzubereiten und zeitnah umzusetzen.

 

Wo sehen Sie heute sowie in Zukunft die wesentlichen Herausforderungen in der finanziellen Führung?

Grundsätzlich sind wir aufgrund der pandemiebedingten Entwicklungen auch heute noch mit erheblichen Unsicherheiten konfrontiert. Die grösste Herausforderung im Bereich der finanziellen Führung sehe ich insbesondere im Zusammenhang mit unserem Liquiditätsmanagement. Aufgrund der angebotsseitigen Engpässe steht die gesamte Supply Chain und damit auch unsere Produktions- und Vertriebsabteilung unter Druck. Ein gutes Cash Management sowie eine solide Finanzierungsstruktur sind für uns Schlüsselelemente, um Scott auch durch die kommenden Monate erfolgreich zu steuern.

Alain Hasler arbeitet seit mehr als 18 Jahren für Scott. Nach seinem Studienabschluss an der Universität Lausanne im Jahr 2003 begann er seine berufliche Karriere im Bereich Konsolidierung. Seit 2013 ist Alain Hasler Group CFO von Scott.

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IFBC Team

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