Interview mit Marc Höhener, CFO der Ferrum AG

Interview mit Marc Höhener, CFO der Ferrum AG

Die Ferrum AG mit Hauptsitz in Schafisheim ist ein weltweit tätiger Hersteller im Dosenverschliessergeschäft und eine spezialisierte Nischenanbieterin von Separations- und Zentrifugentechnologien. Aktuell betreibt die Fer­­rum Gruppe fünf Produktionsstandorte, in der Schweiz, in Deutschland, Polen und Indien. Mit weiteren Tochtergesellschaften in den USA, China und Brasilien unterhält Ferrum zudem ein weltweites Netzwerk im Service- und Dienstleistungsgeschäft. Mit 800 Mitarbeitenden erwirtschaftete die Ferrum Gruppe im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von rund CHF 190 Mio. ­Ferrum engagierte IFBC mit dem Ziel, das FX-Exposure von Ferrum vertieft zu analysieren sowie eine FX-Absicherungsstrategie zu entwickeln. Marc Höhener, CFO von Ferrum, gibt im nachfolgenden Interview Auskunft zum gemeinsamen Projekt mit IFBC und zu den wesentlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Währungsrisikomanagement.

 

Welchen wesentlichen FX-Risiken ist Ferrum ausgesetzt?
Mit einer fast 100%igen Exportquote in beiden Geschäftsbereichen sind wir grundsätzlich mit den klassischen FX-Risiken eines Exporteurs konfrontiert. Das Exposure gegenüber Fremdwährungen konzentriert sich dabei insbesondere auf unsere Produktions- und Verkaufsaktivitäten an unserem Hauptsitz in der Schweiz. Rund 80% des generierten Umsatzes wird dabei in Fremdwährung fakturiert. Davon entfallen rund 70% auf EUR, 20% auf USD und 10% auf weitere Devisen.

 

Was waren die Beweggründe, das Währungsrisikomanagement in Zusammenarbeit mit IFBC weiterzuentwickeln?­
Insbesondere aufgrund der eingangs erwähnten Tatsache, dass ein substanzieller Teil unseres operativen Geschäfts an Zahlungsströme in Fremdwährung gekoppelt ist und davon nur ein Bruchteil auf natürliche Art abgesichert ­werden kann, wollten wir mit der Unterstützung der IFBC eine FX-Absicherungsstrategie entwickeln und etablieren. Wir hatten bis dato zwar bereits spezifische Absicherungen einzelner FX-Exposures vorgenommen, jedoch waren die Absiche­rungsgeschäfte mangels intern verankerter Richtlinien oftmals von Opportunitäten getrieben und orientierten sich entsprechend nicht an einer klar geregelten Vorgehensweise. Zur Weiterentwicklung unseres Währungsrisikomanagements und der Etablierung entsprechender Standards war es uns wichtig, einen aussenstehenden, unabhängigen Partner mit der entsprechenden Expertise beizuziehen.

 

Wie wurde das Projekt mit IFBC inhaltlich strukturiert?
Der zentrale Aspekt als Ausgangspunkt dieses Projekts war die Anforderung, dass die zukünftige Lösung in der Praxis einfach und verständlich umgesetzt werden kann. Als Unternehmen im grösseren KMU-Bereich sind wir letztlich zu klein, um eine eigene Treasury-Abteilung zu unterhalten. Ausgehend von einer umfassenden Analyse und Quantifizierung der direkten und indirekten FX-Exposures sowie der Bestimmung der Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit von Ferrum, haben wir in gemeinsamen Workshops mit IFBC ein entsprechendes Risikoprofil erarbeitet. Dieses Risikoprofil diente uns als Grundlage, um den zukünftigen Leitfaden für unser Währungsrisikomanagement zu erarbeiten, in dem folgende zentrale Aspekte in Form einer Absicherungsstrategie geregelt werden:

 

  • Definition der Zielsetzungen der FX-Absicherungsstrategie
  • Bestimmung der Grundlage zur Ermittlung der FX-Exposures
  • Definition von Absicherungszeitpunkt, -horizont & -quoten
  • Festlegung der für die Absicherung zulässigen Instrumente
  • Regelung der Verantwortlichkeiten und Kompetenzen

 

Was waren die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Projekt?
Im Verlauf des Projekts haben wir festgestellt, dass wir bis anhin bereits vieles instinktiv richtig gemacht hatten, indem wir beispielsweise unsere FX-Risiken zu einem Grossteil in der Schweiz zentralisiert haben und uns insbesondere auf die wesentlichen Exposures in EUR und USD fokussierten. Bei Ferrum sind wir hauptsächlich erfolgsrechnungsseitigen FX-Exposures ausgesetzt. Fremdwährungsrisiken in der Bilanz spielen für uns eine eher untergeordnete Rolle. Dank der fundierten Bestimmung unserer Risikobereitschaft sowie unserer Risikotragfähigkeit sind wir heute in der Lage, bewusstere Entscheidungen in Bezug auf eine allfällige Absicherung einzelner Positionen zu treffen, wobei wir unseren Spielraum basierend auf dem definierten Risikoprofil stets mitberücksichtigen. Mit der Entwicklung der Absicherungsstrategie konnten wir ferner auch die Umsetzung der Absicherungsgeschäfte wesentlich vereinfachen und standardisieren. Konkret verwenden wir heute in der Regel fast ausschliesslich klassische Termingeschäfte. Dadurch konnten wir eine einfache und pragmatische Umsetzung der Absicherung von Währungsrisiken sicherstellen – eine zentrale Zielsetzung des Projekts.

 

Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Implementierung der neuen FX-Absicherungsstrategie?
Generell liess sich das erarbeitete Konzept einfach implementieren. Die Abschätzung des genauen Zeitpunkts von Zahlungsströmen in Fremdwährung hingegen ist und bleibt eine grosse Herausforderung in unserem operativen Umfeld. Unser heutiges ERP-System bildet künftige Cashflows aus Sicht der Debitoren-/Kreditorenbuchhaltung lediglich für die jeweils nächsten zwei bis drei Monate verlässlich ab. Insbesondere in Bezug auf vertraglich noch nicht zugesicherte, zukünftige Cashflows gestaltet sich das Timing der Absicherung entsprechend schwierig.

 

Wo sehen Sie aktuell und in Zukunft die wesentlichen Herausforderungen in der finanziellen Führung?
Seit längerer Zeit beobachten wir in unserer Branche sich stetig verschlechternde Zahlungsfristen. Im Verlauf der letzten Monate haben sich die offenen Forderungen in Fremdwährung und damit das bilanzseitige FX-Exposure zunehmend erhöht. Mit unserem neu etablierten FX-Absicherungskonzept verfügen wir aber heute über einen schlanken und effizienten Prozess zur Steuerung dieser Währungsrisiken. Nichtsdestotrotz können wir mit der systematischen Absicherung lediglich mittelfristig allfälligen Marktvolatilitäten begegnen und uns so vor einer ungünstigen Kursentwicklung schützen und Handlungsspielraum schaffen. Der langfristigen Entwicklung und dem anhaltenden Druck auf den Schweizer Franken können wir indes nur mit natürlichem Hedging und einem nachhaltigen Geschäftsmodell entgegenwirken.

 

Des Weiteren führen wir aktuell ein neues ERP-System ein. In diesem Zusammenhang stellt die Entwicklung eines einheitlichen und stufengerechten Management Reportings eine zentrale Herausforderung dar. Schliesslich erachte ich die laufende Integration akquirierter Unternehmen und die konsequente Einbindung dieser Einheiten in den finanziellen Führungsprozess als besonders herausfordernd.

Marc Höhener ist diplomierter Betriebsökonom FH und seit 2018 CFO von Ferrum. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen im Jahr 2014 war er in verschiedenen Positionen im Bereich Finanzen & Controlling in unterschiedlichen Unternehmen tätig.

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IFBC Team

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