Interview mit Zeno Böhm, CEO Burkhalter Group

Interview mit Zeno Böhm, CEO der Burkhalter Group: Kompetente Fachkräfte und Energieeffizienz als Schlüssel zum Erfolg

Interview
Autor
IFBC Team
Datum
11/5/2023

Durch die Fusion von Burkhalter und Poenina entstand eine Gesamtanbieterin von gewerkübergreifender Gebäudetechnik mit rund 4’600 Mitarbeitenden und rund 80 Gruppengesellschaften an rund 150 Standorten in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Die Fusion ermöglicht es, zukunftsorientierte Gebäudetechnik aus einer Hand anzubieten. Die anhaltend hohe Bautätigkeit, der bestehende Sanierungsbedarf von Gebäuden und eine steigende Nachfrage nach energieeffizienten Gebäudehüllen führen zu weiterem Wachstumspotenzial für die fusionierte Gesellschaft.

IFBC wurde von den Verwaltungsräten von Burkhalter und Poenina mit der Erstellung eines unabhängigen Gutachtens zur Beurteilung der finanziellen Angemessenheit des Umtauschverhältnisses (Fairness Opinion) im Rahmen der geplanten Fusion zwischen der Burkhalter Holding AG und der poenina holding ag gemäss Fusionsgesetz beauftragt.

Zeno Böhm ist CEO des per Ende Juni 2022 neu entstandenen, an der SIX kotierten Gebäudetechnikunternehmens Burkhalter. Im folgenden Interview gibt er einen Einblick in die Ambition des Unternehmens, die Energieeffizienz im Schweizer Gebäudepark zu verbessern und schaut nochmals auf den Zusammenschluss im vergangenen Jahr zurück.

Wie entstanden die Idee und Motivation für diese Transaktion?

Laut Bundesamt für Energie verbraucht der Schweizer Gebäudepark etwa 100 TWh, was rund 45% des nationalen Energiebedarfs und rund 30% des inländischen CO2-Ausstosses ausmacht. Die Energiestrategie 2050 des Bundes sieht vor, den heutigen Energieverbrauch pro Kopf um rund die Hälfte zu reduzieren. Die Umsetzung dieser Strategie verlangt nach energieeffizienten Lösungen und durch die Fusion mit Poenina besteht nun die Möglichkeit, hierzu einen umfassenden Beitrag zu leisten. Denn durch gewerkübergreifendes Zusammenarbeiten kann die Burkhalter Gruppe Dienstleistungen anbieten, die den Energieverbrauch und damit die Treibhausgasemissionen im Schweizer Gebäudepark reduzieren.

Wo setzen Sie die Prioritäten für die neu entstandene Burkhalter Gruppe?

Mit Dienstleistungen wie der Sanierung von fossilen Heizanlagen mit Wärmepumpen oder der Installation von Fotovoltaikanlagen können wir bereits heute gute Lösungen anbieten. Mittelfristig gesehen wollen wir unsere Dienstleistungen in den Bereichen Energieberatung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien ausbauen. Und wir wollen die kommenden Jahre nutzen, um uns als Anbieterin von gewerkübergreifender Gebäudetechnik im Bereich Umbau/Sanierung mit einem Fokus auf energieeffizienten Lösungen zu positionieren.

Was waren für Sie die grössten Herausforderungen bei der Realisierung des Zusammenschlusses?

Beide Unternehmen sind seit vielen Jahren konsequent auf ihre Kernkompetenzen ausgerichtet und verfügen hier über anerkanntes, sehr breites Know-how. Das Wissen aus der Elektrotechnik wurde um jenes aus der Heizungs- und Kälte-, Lüftungs- und Klima- sowie Sanitärtechnik ergänzt. Da die einzelnen Standorte der Burkhalter Gruppe aufgrund der starken Fragmentierung der Branche in starker unternehmerischer Eigenverantwortung geführt werden, wurden organisatorische Änderungen befürchtet. Die Verantwortlichen vor Ort davon zu überzeugen, dass sich auch nach dem Zusammenschluss an der grundsätzlichen organisatorischen Ausrichtung nichts ändert, war eine ganz wichtige Aufgabe.

Wie meistern Sie das Tagesgeschäft mit Lieferengpässen, Preissteigerungen und Fachkräftemangel erfolgreich?

Bei Lieferengpässen sind wir bestrebt, für jedes Produkt Ausweichmöglichkeiten auf einen anderen Anbieter zu schaffen. Dabei gilt es sicherzustellen, dass ein Lieferantenwechsel nicht zu schlechteren Bezugskonditionen führt. Unsere wichtigsten Betriebskosten sind Personal- und Materialkosten. Da sie durch den Inflationsdruck steigen, sind Kostensteigerungen wirksam zu kontrollieren und vollumfänglich an die Kunden und Kundinnen weiterzugeben.

Der Erfolg der Burkhalter Gruppe hängt von qualifizierten Mitarbeitenden in den einzelnen Gruppengesellschaften ab. Leider sind fehlende Fachkräfte nach wie vor ein grosses Thema; durch die starke Bautätigkeit sind sie gefragter denn je. Wir versuchen dem Mangel zu begegnen, indem wir unsere bereits attraktiven Arbeitsbedingungen weiter ausbauen und den Nachwuchs, rund 900 Lernende, selbst ausbilden.

Welches sind Ihre Führungsprinzipien, um das dezentrale Unternehmertum und die lokale Kundennähe zu fördern?

Die Geschäftsführer und -leiter der einzelnen Gruppengesellschaften und deren Führungskräfte geniessen grösstmögliche operative Handlungsfreiheit. Dabei steht der Mensch im Zentrum, denn der optimale Einsatz seiner Fähigkeiten und deren gezielter Ausbau verspricht den grösstmöglichen Erfolg.

Wie treiben Sie das Thema «Nachhaltigkeit» bei Burkhalter voran?
Unsere Nachhaltigkeitsambitionen sind seit 2019 strategisch und seit 2022 auch statutarisch verankert. Daher sind wir nicht nur gefordert, unserer Vorbildrolle in der Umsetzung von Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Umweltschutz gerecht zu werden, sondern auch die nachhaltige Entwicklung im eigenen Betrieb und innerhalb der Wertschöpfungskette voranzutreiben.

Es ist uns wichtig, die negativen Umweltauswirkungen unserer Geschäftstätigkeit möglichst gering zu halten. Unsere diesbezüglichen Ziele und Massnahmen sind im neusten Nachhaltigkeitsbericht nachzulesen.

Was sind die grössten Treiber zur Steigerung der Energieeffizienz in den privaten Haushalten?

Energetische Sanierungen tragen wesentlich zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden bei. Dafür müssen vorab der Sanierungsumfang (Einbau von mehrfach verglasten Fenstern, Dach- und Aussenisolationen) und die Sanierungstiefe (Niveau, auf das der Heiz- und Warmwasserbedarf durch eine Vollsanierung gesenkt werden kann) angegangen werden. Denn nur so können Gebäude die notwendigen Voraussetzungen für den effizienten Betrieb von Wärmepumpen erfüllen.

Welche Trends sehen Sie im Bereich Gebäudetechnik für die nächsten fünf Jahre?

Die Digitalisierung im Baugewerbe und in der Gebäudetechnik hat dank Building Information Modeling (BIM) und neuer, technologischer Fortschritte seit rund zwei Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Das wird sich wesentlich auf die Produktivität und Effizienz bei der Ausführung von Neubauprojekten auswirken. BIM wird als unterstützende Methode die Zusammenarbeit und den Datenaustausch zwischen allen Akteuren und über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden und Bauwerken revolutionieren.

Welchen Mehrwert hatten für Sie die Fairness Opinion und der Dialog mit IFBC?

Den beiden Verwaltungsräten von Burkhalter und Poenina war es wichtig, einen professionellen Partner an der Seite zu wissen, der den Umständen zweier börsenkotierter Small & Mid-Caps (SMIs) Rechnung trägt. Die Zusammenarbeit wurde als sehr professionell und speditiv wahrgenommen. Der Austausch untereinander war unkompliziert und zielorientiert.

Zeno Böhm studierte von 2002 bis 2003 Betriebsökonomie (FH), Fachrichtung Finance & Banking, an der Hochschule Luzern. Von 2010 bis 2012 absolvierte er den Master of Advanced Studies (MAS) in Corporate Finance (CF) am Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) in Zug. Zeno Böhm war von 2010 bis 2021 CFO und ist seit 2022 CEO der Burkhalter Holding AG. Er ist Mitglied in der Kommission für Soziale Partnerschaft (KSP) von eit.swiss und somit Teil der Mitgliederversammlung der Paritätischen Landeskommission (PLK Elektro). Zudem vertritt er die Interessen von Burkhalter in der Gruppe der Schweizerischen Gebäudetechnik-Industrie GSGI.

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