Im Spannungsfeld zwischen steigenden Kosten und zahlbaren Prämien

Die CSS Gruppe mit Sitz in Luzern wurde 1899 gegründet. Sie versichert rund 1,7 Millionen Menschen und zählt mit einem Prämienvolumen von rund 7.0 Milliarden Franken zu den führenden Schweizer Kranken- und Sachversicherern. Mit rund 100 Agenturen und 3’000 Mitarbeitenden ist die CSS schweizweit nah bei ihren Kundinnen und Kunden. Als Gesundheitspartnerin steht sie ihren Kundinnen und Kunden zur Seite, wenn es darum geht, gesund zu bleiben, gesund zu werden oder mit einer Krankheit zu leben.
IFBC unterstützt die CSS regelmässig bei komplexen finanziellen Fragestellungen, der Weiterentwicklung der finanziellen Steuerung und hilft, die Transparenz bezüglich der Kostenstrukturen und -allokation zu erhöhen. Rudolf Bruder, Leiter Finanzen, gibt in einem Interview seine Einschätzungen zum Gesundheitswesen in der Schweiz und schildert die Herausforderungen, die sich in der finanziellen Steuerung eines grossen Kranken- und Sachversicherers ergeben.
Als Familienmensch ist es mir besonders wichtig, die freie Zeit mit meiner Frau und unseren vier Kindern zu verbringen.
Analysen des CSS Instituts zeigen, dass derzeit vor allem neue Medikamente für den Anstieg der Gesundheitskosten verantwortlich sind. Ein weiterer Treiber sind zudem falsche Anreize im System, die Menge statt Qualität honorieren.
Zentrale Reformen sind die Einführung eines neuen Arzttarifs sowie die einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Darüber hinaus braucht es zusätzliche Massnahmen, insbesondere die konsequente Umsetzung integrierter Versorgungsmodelle mit einer koordinierten Betreuung über alle Behandlungsstufen hinweg.
Dank konsequenter Kontrolle aller eingehenden 25 Millionen Rechnungen verhindern wir pro Jahr ungerechtfertigte Ausgaben in der Höhe von rund 850 Millionen Franken. 2024 haben wir zudem 260 Betrugsfälle bearbeitet und damit 38 Millionen Franken eingespart.

Nebst den eben erwähnten Rechnungskontrollen sind unsere tiefen Verwaltungskosten ein wesentlicher Faktor. Von einem Prämienfranken wenden wir gerade mal 3,7 Rappen für den internen Betrieb auf. Die hohe Zufriedenheit und Loyalität unserer Versicherten sind das Ergebnis jahrelanger Investitionen in den Kundenservice.
Die finanzielle Steuerung ist von drei Faktoren geprägt: Es gilt, die künftigen Leistungskosten abzuschätzen, daraus die richtigen Prämien zu berechnen und gleichzeitig die von den Aufsichtsbehörden verlangten Solvenzquoten zu erreichen. Eine Herausforderung, die nur gelingt, wenn sämtliche Prozesse innerhalb der CSS präzise aufeinander abgestimmt sind.
Eine Studie von McKinsey zeigt, dass sich im Gesundheitswesen durch konsequente Digitalisierung und den Einsatz des elektronischen Patientendossiers jährlich rund 8,2 Milliarden Franken einsparen liessen. Gleichzeitig würde die Digitalisierung die Qualität der verfügbaren Daten deutlich verbessern. Darauf verweist auch eine Untersuchung des CSS Instituts: Derzeit sind die Gesundheitsdaten in der Schweiz lückenhaft und fragmentiert. Eine verbesserte Datenlage ermöglicht es, das Schweizer Gesundheitswesen evidenzbasiert weiterzuentwickeln und langfristig sicherzustellen, dass eine qualitativ hochwertige Versorgung für alle bezahlbar bleibt.
Die CSS bringt langjährige Erfahrung und fundierte Expertise in die Entwicklung integrierter Versorgungsmodelle ein. Arbeiten alle Gesundheitsakteure Hand in Hand, verbessert dies die Behandlungsqualität und hilft, die Kosten zu dämpfen. Dabei versteht sich die CSS als Partnerin: Sie berät ihre Institutionen, entwickelt neue Ansätze und unterstützt dabei, Hürden in der Zusammenarbeit abzubauen.

Rudolf Bruder ist Betriebsökonom HWV und verfügt über einen Executive Master of Corporate Finance. Er stiess 2023 als Leiter Finanzen zur CSS. Zuvor war er über lange Zeit für den Mitbewerber Helsana in verschiedenen Führungspositionen tätig. Der 55-jährige ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt mit seiner Familie im Kanton Zug.