Interview mit Rudolf Bruder, CFO der CSS Gruppe

Im Spannungsfeld zwischen steigenden Kosten und zahlbaren Prämien

Autor
IFBC Team
Datum
10/2/2026

Die CSS Gruppe mit Sitz in Luzern wurde 1899 gegründet. Sie versichert rund 1,7 Millionen Menschen und zählt mit einem Prämienvolumen von rund 7.0 Milliarden Franken zu den führenden Schweizer Kranken- und Sachversicherern. Mit rund 100 Agenturen und 3’000 Mitarbeitenden ist die CSS schweizweit nah bei ihren Kundinnen und Kunden. Als Gesundheitspartnerin steht sie ihren Kundinnen und Kunden zur Seite, wenn es darum geht, gesund zu bleiben, gesund zu werden oder mit einer Krankheit zu leben.

IFBC unterstützt die CSS regelmässig bei komplexen finanziellen Fragestellungen, der Weiterentwicklung der finanziellen Steuerung und hilft, die Transparenz bezüglich der Kostenstrukturen und -allokation zu erhöhen. Rudolf Bruder, Leiter Finanzen, gibt in einem Interview seine Einschätzungen zum Gesundheitswesen in der Schweiz und schildert die Herausforderungen, die sich in der finanziellen Steuerung eines grossen Kranken- und Sachversicherers ergeben.

Wie viel Zeit nehmen Sie sich persönlich pro Woche für sich selbst – und wofür?

Als Familienmensch ist es mir besonders wichtig, die freie Zeit mit meiner Frau und unseren vier Kindern zu verbringen.

Gemäss Bundesamt für Statistik haben sich die Gesundheitskosten in der Schweiz seit 1960 verfünffacht. Was sind die Gründe?

Analysen des CSS Instituts zeigen, dass derzeit vor allem neue Medikamente für den Anstieg der Gesundheitskosten verantwortlich sind. Ein weiterer Treiber sind zudem falsche Anreize im System, die Menge statt Qualität honorieren.

Welche zentralen Hebel und Reformen erachten Sie als prioritär, um den stetigen Anstieg der Gesundheitskosten zu dämpfen?

Zentrale Reformen sind die Einführung eines neuen Arzttarifs sowie die einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Darüber hinaus braucht es zusätzliche Massnahmen, insbesondere die konsequente Umsetzung integrierter Versorgungsmodelle mit einer koordinierten Betreuung über alle Behandlungsstufen hinweg.

Die CSS überprüft jährlich Millionen von Rechnungen und entdeckt unzählige Fehler, aber auch Versicherungsbetrug – wie gross sind diese Einsparungen?

Dank konsequenter Kontrolle aller eingehenden 25 Millionen Rechnungen verhindern wir pro Jahr ungerechtfertigte Ausgaben in der Höhe von rund 850 Millionen Franken. 2024 haben wir zudem 260 Betrugsfälle bearbeitet und damit 38 Millionen Franken eingespart.

Die CSS konnte in den letzten zehn Jahren – mit einer Ausnahme – unter dem Durchschnitt liegende Prämien anbieten und erfreut sich einer hohen Kundenzufriedenheit. Was ist Ihre Rezeptur für diesen Erfolg?

Nebst den eben erwähnten Rechnungskontrollen sind unsere tiefen Verwaltungskosten ein wesentlicher Faktor. Von einem Prämienfranken wenden wir gerade mal 3,7 Rappen für den internen Betrieb auf. Die hohe Zufriedenheit und Loyalität unserer Versicherten sind das Ergebnis jahrelanger Investitionen in den Kundenservice.

Welchen Fokus setzen Sie bei der finanziellen Steuerung der CSS und wo liegen die zentralen Herausforderungen?

Die finanzielle Steuerung ist von drei Faktoren geprägt: Es gilt, die künftigen Leistungskosten abzuschätzen, daraus die richtigen Prämien zu berechnen und gleichzeitig die von den Aufsichtsbehörden verlangten Solvenzquoten zu erreichen. Eine Herausforderung, die nur gelingt, wenn sämtliche Prozesse innerhalb der CSS präzise aufeinander abgestimmt sind.

«Wird die heute mangelhafte Datenlage verbessert, ist es möglich, das Schweizer Gesundheitswesen evidenzbasiert weiterzuentwickeln.»

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung des Patientendossiers, und wie würde die Forschung von möglichen Erkenntnissen aus diesen Daten profitieren?

Eine Studie von McKinsey zeigt, dass sich im Gesundheitswesen durch konsequente Digitalisierung und den Einsatz des elektronischen Patientendossiers jährlich rund 8,2 Milliarden Franken einsparen liessen. Gleichzeitig würde die Digitalisierung die Qualität der verfügbaren Daten deutlich verbessern. Darauf verweist auch eine Untersuchung des CSS Instituts: Derzeit sind die Gesundheitsdaten in der Schweiz lückenhaft und fragmentiert. Eine verbesserte Datenlage ermöglicht es, das Schweizer Gesundheitswesen evidenzbasiert weiterzuentwickeln und langfristig sicherzustellen, dass eine qualitativ hochwertige Versorgung für alle bezahlbar bleibt.

«Die CSS bringt langjährige Erfahrung und fundierte Expertise in die Entwicklung integrierter Versorgungsmodelle ein.»

Die Zukunft gehört den vertikal integrierten Versorgungsmodellen, und die CSS ist mit einem Pilotprojekt in Biel eine Pionierin. Was machen Sie anders?

Die CSS bringt langjährige Erfahrung und fundierte Expertise in die Entwicklung integrierter Versorgungsmodelle ein. Arbeiten alle Gesundheitsakteure Hand in Hand, verbessert dies die Behandlungsqualität und hilft, die Kosten zu dämpfen. Dabei versteht sich die CSS als Partnerin: Sie berät ihre Institutionen, entwickelt neue Ansätze und unterstützt dabei, Hürden in der Zusammenarbeit abzubauen.

Rudolf Bruder ist Betriebsökonom HWV und verfügt über einen Executive Master of Corporate Finance. Er stiess 2023 als Leiter Finanzen zur CSS. Zuvor war er über lange Zeit für den Mitbewerber Helsana in verschiedenen Führungspositionen tätig. Der 55-jährige ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt mit seiner Familie im Kanton Zug.

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